Presseanfrage zum Rathaus-Neubau - die komplette Antwort: Martin Kohn zur Zukunft von Rathaus und Steinhof
Als Bürgermeisterkandidat der SPD für Bad Münder wurde ich – neben allen anderen bisher bekannten Bürgermeisterkandidaten – von der NDZ gebeten, auf folgende Fragen zur Rathausentscheidung zu antworten:
- Mit welcher Strategie wollen Sie das Thema nach Ihrer Wahl angehen?
- Sollte der gesamte Prozess zur Entscheidungsfindung ungeachtet der Kosten neu gestartet werden?
- Halten Sie es für richtig, das Ergebnis von Ratsbürgerentscheid und Gutachten zu bestätigen und den Neubau umzusetzen?
- Wie sollte die Stadt in diesem Fall mit der Nachnutzung von Steinhof und historischem Rathaus umgehen?
- Wie wollen Sie Bad Münder in dem Streit befrieden?
Dieser Auskunftsbitte der NDZ bin ich gerne nachgekommen und habe am 19.06.2026 wie folgt geantwortet:
Die Diskussion um die Zukunft des Rathauses beschäftigt Bad Münder seit vielen Jahren und hat die Stadtgesellschaft teilweise gespalten. Als Bürgermeisterkandidat ist es für mich daher besonders wichtig, diese Frage nicht weiter zu emotionalisieren, sondern sie auf Grundlage von Fakten und mit Blick auf die langfristigen Interessen unserer Stadt zu beantworten.
Ein vollständiger Neustart des Entscheidungsprozesses unabhängig von den bisherigen Erkenntnissen und den bereits entstandenen Kosten erscheint mir nicht sinnvoll.
Ich erkenne gemeinsam mit der SPD Bad Münder die Ermittlung der Zahlen und das Rechenvorgehen des Wirtschaftlichkeitsvergleichs ausdrücklich an und stelle diese nicht infrage.
Ebenso verdienen die Ergebnisse des Bürgerentscheids und des Ratsbürgerentscheids die volle Anerkennung. Solche Entscheidungen sind Ausdruck direkter Demokratie und auch nach Ablauf ihrer unmittelbaren rechtlichen Bindungswirkung zu respektieren.
Ich habe mich gemeinsam mit der SPD Bad Münder stets für den Erhalt der historischen Gebäude in der Innenstadt ausgesprochen. Wir sehen hierin auch eine Verpflichtung der Stadt. Dies gilt sowohl für den Steinhof als auch für das historische Rathaus. Darüber hinaus halte ich es für wichtig, keinen weiteren Leerstand in der Innenstadt zu erzeugen. Deshalb muss auch die zukünftige Nutzung des bisherigen Sparkassengebäudes berücksichtigt werden. Eine anderweitige Verwendung dieses Gebäudes außerhalb von Verwaltungszwecken erscheint aus meiner Sicht auch aufgrund der eingeschränkten Parkplatzsituation schwierig.
Nach heutigem Kenntnisstand halte ich es für möglich, dass das bisherige Sparkassengebäude künftig ausreichen könnte, um die Stadtverwaltung unterzubringen. Dies wird jedoch wesentlich von den zukünftigen Anforderungen an Personal, Arbeitsorganisation und Digitalisierung abhängen. Da sich diese Parameter heute noch nicht abschließend bestimmen lassen, sollte aus meiner Sicht auch das Steinhofgebäude weiterhin Bestandteil der Betrachtungen für einen Verwaltungsstandort sein.
Dies gilt im Übrigen unabhängig von der Frage eines möglichen Rathausneubaus. Solange sich der Steinhof im Eigentum der Stadt befindet, besteht aufgrund der §§ 6 und 7 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes eine Verpflichtung, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten. Die mit einer Wiederherrichtung verbundenen Aufwendungen dürfen daher aus meiner Sicht bei einer Gesamtbetrachtung nicht außer Acht gelassen werden. Diese Gesichtspunkte sind sowohl bei der Variante Sparkasse/Steinhof als auch bei einem möglichen Neubau zu berücksichtigen.
Für mich steht an erster Stelle, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung schnell und nachhaltig zu verbessern.
Ich gehe davon aus, dass sich der zukünftige Personal- und damit auch der Raumbedarf der Verwaltung in den kommenden Jahren erheblich verändern wird. Technische Entwicklungen und Automatisierungsmöglichkeiten werden dabei ebenso Einfluss haben wie der demografische Wandel. Wir werden künftig nicht mehr selbstverständlich auf dieselben Bewerberzahlen für Nachwuchskräftegewinnung und Neueinstellungen zurückgreifen können wie heute. Deshalb sollten wir die Zukunft der Verwaltung nicht allein aus der Perspektive des heutigen Bedarfs betrachten, sondern Entwicklungen über Jahre hinweg mitdenken.
Unabhängig von der Frage der Nutzung des bisherigen Sparkassengebäudes als Verwaltungssitz sehe ich großes Potenzial für eine städtebauliche Aufwertung des Steinhofplatzes. Das Steinhofgebäude kann und sollte dabei ein zentraler Bestandteil einer attraktiven Neugestaltung sein. Für das Steinhofgebäude halte ich – sofern es nicht für Verwaltungszwecke benötigt wird – beispielsweise Nutzungen für Vereine, kulturelle Veranstaltungen oder besondere Anlässe für denkbar. Ebenso könnte das historische Rathaus verwaltungsintern, etwa als Archiv, genutzt werden. Diese Überlegungen verstehe ich jedoch ausdrücklich als Diskussionsgrundlage.
Vielmehr möchte ich gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaftsvereinigung und den ansässigen Unternehmen, den Vereinen, der Stadtverwaltung und weiteren Beteiligten tragfähige Nachnutzungskonzepte für beide Gebäude entwickeln. Unser Ziel muss es sein, historische Identität zu bewahren, Leerstände zu vermeiden und die Innenstadt insgesamt zu stärken.
Dabei bin ich überzeugt, dass sich wirtschaftliche Vernunft, die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie der Erhalt der historischen Identität Bad Münders nicht ausschließen, sondern gemeinsam gedacht werden müssen.
Die Rathausfrage darf Bad Münder nicht dauerhaft spalten. Als Bürgermeister möchte ich deshalb auf Transparenz, Dialog und einen respektvollen Umgang miteinander setzen.
Daher möchte ich die weiteren Planungsschritte für einen zukünftigen Verwaltungsstandort nach meinem Amtsantritt auf Grundlage eines fortgeschriebenen Raumbedarfs zeitnah fortsetzen. Sofern der neu gewählte Stadtrat keine Einwände gegen die aktuelle Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erhebt und diese weiterhin als Grundlage bestätigt, halte ich es für richtig, die Planungen für die sich daraus ergebende Variante konsequent und Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.
Für mich bedeutet dies zugleich ein enges Controlling des weiteren Verfahrens. Nach jeder Leistungsphase entsprechend der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) sollte aus meiner Sicht im Stadtrat bewusst über die Fortsetzung der Planungen entschieden werden. Auf diese Weise möchte ich dazu beitragen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Gefahr eines ausufernden Projektes so gering wie möglich zu halten.
Es darf am Ende dieser Debatte niemals darum gehen, wer gewonnen oder verloren hat.
Mein Ziel ist es, Bad Münder in dieser Frage wieder zusammenzuführen. Entscheidend ist dabei nicht, wer am Ende Recht behält, sondern dass wir eine Lösung finden, die wirtschaftlich verantwortbar ist, die Identität unserer Stadt bewahrt und von einer möglichst breiten Mehrheit getragen wird.
Die Menschen erwarten zu Recht, dass wir uns neben der Rathausfrage auch den vielen anderen Herausforderungen unserer Stadt widmen – von Schulen und Ehrenamt über Wirtschaft bis hin zu Mobilität und der Entwicklung aller Ortsteile. Dafür möchte ich als Bürgermeister Verantwortung übernehmen.